Medizin

Mit der Regelung gab der Bundesstaat Rahmenbedingungen vor, welche die 10 Provinzen in unterschiedlicher Weise ausgestalteten. Sie sind die Träger der öffentlichen Versicherungen, die vorwiegend über Steuern finanziert werden. Nur in Alberta und British Columbia muss man zusätzliche Krankenversicherungsbeiträge bezahlen – allerdings relativ niedrige. In Alberta liegen sie für eine Einzelperson unter 50 Dollar und für eine Familie unter 100 Dollar monatlich.In den gesetzlichen Einheitskrankenkassen der Bundesstaaten sind alle Bürger pflichtversichert – egal, ob und was sie arbeiten. Daneben gibt es private Zusatzversicherungen für Medikamentenkosten, Zahnersatz oder bestimmte Zuzahlungen – diese werden häufig vom Arbeitgeber als zusätzliche Sozialleistungen angeboten.

Die Übernahme der Medikamentenkosten ist in den Bundesstaaten unterschiedlich geregelt. In Québec greift eine verpflichtende öffentliche Zusatzversicherung der Régie de l'assurance maladie du Québec für all jene Personen, bei denen der Arbeitgeber diese nicht bietet. Die Zuzahlung für Medikamente ist in dieser Provinz auf höchstens 904 Dollar jährlich begrenzt. Von Zahlungen ausgenommen sind vor allem die Bereiche, in denen es Wettbewerb – also nicht patentgeschützte Konkurrenzprodukte - gibt und in denen sich tatsächlich Märkte mit so etwas wie Wettbewerb bilden konnten – beispielsweise bei bestimmten Schmerzmitteln und bei Antibiotika. Daneben sorgt staatliche Regulierung dafür, dass auch patentgeschützte Medikamente von den Herstellern in Kanada meist sehr viel billiger abgegeben werden als in Deutschland.

Kanadische Krankenhäuser werden meist von der öffentlichen Hand oder von gemeinnützigen Trägern betrieben – nicht als Wirtschaftsunternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht, sondern als Non-Profit-Betriebe. Dadurch findet kein Geldabfluss an Finanzinvestoren statt, der das System über Gebühr belasten würde. Dafür sind in den Krankenhäusern Spendengelder willkommen, was auch dazu führt, dass sich die Kliniken mit – wenn man so will – einer Art von "Werbung" teilfinanzieren: Nicht für Pharma- oder Technologieunternehmen, sondern für die Spender, die ihre Namen nicht nur auf Gedenktafeln hinterlassen, sondern auch in ganzen Abteilungen. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil für das Personal oder die Patienten sein: Einen nach einem großzügigen Spender benannten Flügel merkt man sich möglicherweise leichter als eine abstrakte Bezeichnung wie "Haus F, Station 14". Dadurch, dass die Namen der Spender auf den Gedenktafeln nach der Höhe der Spendengelder gestaffelt sind, entsteht auch ein gewisser Wettbewerb, der dazu führt, das in den Krankenhäusern behandelte Senioren Teile ihres Vermögens dem Krankenhaus vererben, anstatt es vollständig den nichtsnutzigen Enkeln für Aktienspekulationen zu überlassen.